In der heutigen Zeit, wo die Demokratie zunehmend angefochten wird, gibt es vor allem in
den postdiktatorischen Ländern wieder eine verstärkte Sehnsucht und Hinwendung zu
autoritären Herrschaftsformen.

In der heutigen Zeit, wo die Demokratie zunehmend angefochten wird, gibt es vor allem in den postdiktatorischen Ländern wieder eine verstärkte Sehnsucht und Hinwendung zu autoritären Herrschaftsformen.

Darum geht es

Hans-Joachim Zietze - Lebensmittelkontrolle in der Diktatur

Im wiedervereinigten Deutschland sind es vor allem die Neuen Bundesländer, in denen der Ruf nach Recht und Ordnung erschallt und sich bei einigen Menschen ein autoritäres Staatsverständnis offenbart.

Hans-Joachim Zietze beschreibt aus eigener Erfahrung die autoritäre Realität in der damaligen DDR, in welcher in autoritär-repressiver Manier in seinem Berufsfeld der Lebensmittelkontrolle eingegriffen wurde.

Im Sinne der Aufarbeitung der DDR-Diktatur erklärt der Autor , was im Bereich der Lebensmittelkontrolle in der DDR geschehen ist und warum es geschehen ist. Anhand zahlreicher anschaulicher Beispiele illustriert der Autor
eine Arbeits- und Lebenswirklichkeit, die auf Angst und Einschüchterung baute.

Wissenswertes zum Buch und den Autor

In seinem Vorwort lässt uns der Autor wissen, dass er das Manuskript zu diesem Buch kurz vor seiner Ausreise aus der DDR verfasst hat. Er fand es nach über 30 Jahren in seinem Gartenhaus wieder und war im Begriff, es dem Altpapier zuzuordnen.

Was uns der Autor uns allerdings über die Protagonisten und Mitwirkenden in der DDR-Lebensmittelkontrolle berichtet, ist allemal lesenswert. Hans-Joachim Zietze ist von Beruf Lebensmittelchemiker und gehört damit einer wichtigen Berufsgruppe an, die in der Lebensmittelkontrolle einen ihrer Tätigkeitsschwerpunkte findet.

Der Autor verfügt angesichts seines beruflichen Werdeganges über profunde Kenntnisse der Lebensmittelwirtschaft und Lebensmittelüberwachung in der DDR. Sein erstes Buch zum Thema „Gelenkte Ernährung“ veröffentlichte er 1989.

Die Intention für die Veröffentlichung seines 2. Buches mag in der Tatsache begründet liegen, dass einige der damaligen Protagonisten den gesellschaftlichen Umbruch 1989 dazu benutzt haben, in so mancher Institution wieder als Führungskader Unterschlupf zu finden und die nachfolgenden Generationen in einem autoritären Geist zu beeinflussen.

Diese Defizite in der Demokratiebildung zeigen sich heute in einem autoritären Geist , der sich darin offenbart, dass eine Vielzahl an aktuellen Darstellungen und Veröffentlichungen zur DDR-Vergangenheit oftmals alltagsgeprägte Beschreibungen bilden, die – wie der Autor schreibt – „ die Ideale und die Normalität des sozialistischen Alltags im Sinne einer Verharmlosung und nostalgischen Verklärung in ihr Blickfeld rücken“.

Einer solchen einseitigen Geschichtsinterpretation tritt der Autor mit seinem informativen
Zeitzeugenbericht entgegen.

Das sagt der Autor

Hans-Joachim Zietze hat uns ein Sachbuch vorgelegt, das uns in eine Lebenswirklichkeit eintauchen lässt, in welcher „alle Nachgeordneten einer anonymen Obrigkeit Werkzeuge einer bestimmten Ideologie waren und nur zu gehorchen hatten. Sie waren gehalten, den Doktrinen dieser Ideologie zu folgen und sie umzusetzen. Häufig taten sie das auch wider besseren Wissens und rationaler Einsichten. Sie waren jeglicher persönlicher Entscheidungsfreiheit beraubt“.

Welchen Einfluss hat eine Diktatur auf die Lebensmittelkontrolle?

Nur da sein und gehorchen wollen, so, hat der Philosoph Karl Jaspers dieses stumpfe Dasein einmal genannt. Zu welchen fatalen Auswirkungen und Einschränkungen eine solche Verhaltensweise im Bereich der Lebensmittelkontrolle geführt hat, darüber berichtet der Autor in zahlreichen Beispielen.

Beispiel aus Band 1:

Lebensmittelchemiker sind Naturwissenschaftler, denen gelegentlich ein kurzer und prägnanter Ausdrucks- und Schreibstil zu eigen ist. Hans-Joachim Zietze gehört dazu. Auch wenn der Autor dazu neigt, manchmal etwas redundant und detailreich das seinerzeitige Regelwerk der DDR-Lebensmittelkontrolle zu beschreiben, gelingt es ihm doch immer wieder anhand der sehr anschaulichen Praxisberichte das Interesse des Lesers zu wecken.

In seinen Kapiteln über die Arbeitswelt und die Bedingungen in den VEB’s der DDR-Lebensmittelproduktion, offenbart sich ein Ausmaß an Tristesse, wie sie uns an zeitgenössische Darstellungen frühkapitalistischer Produktionsverhältnisse zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert. Ein Blick in die als Anhang zum Buch beigefügte Bilddokumentation offenbart, dass der Autor keineswegs zur Übertreibung tendiert.

Fazit

Das Cover dieses Sachbuches ist eine dem Leser vertraute Darstellung der sog. „3-Affenweisheit“ , d.h. alles Schlechte nicht wahrhaben zu wollen! Ein Blick darauf erweckt die Aufmerksamkeit und Neugierde beim Betrachter. Die Gestaltung und der Titel des Buches werden dem Inhalt durchaus gerecht.

Hans-Joachim Zietze führt uns in die Vergangenheit einer Lebensmittelkontrolle, die unter den diktatorischen Verhältnissen eine erhebliche Einschränkung ihres Wirkungsbereiches erfuhr. Seine enthüllenden Berichte und Dokumente über die Diktatur im Alltag dürfen als ein gelungener Beitrag zur Aufarbeitung der DDR Diktatur verstanden werden. Die Konfrontation mit der diktatorischen Alltags-Vergangenheit in der DDR, die der Autor so anschaulich beschreibt, führt uns in eine Lebenswirklichkeit, die uns in einer Gesellschaft mit Bürgerrechten und freiheitlicher Grundordnung weitestgehend fremd geworden ist.

Link zum Buch:

„Lebensmittelkontrolle in der Diktatur“ erschien im BOD Verlag und kann >>hier<< erworben werden.

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